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Federpicken und Kannibalismus

Federpicken und Kannibalismus sind bei Jung- und Althennen eine Verhaltensstörung, die meist schon in der Aufzuchtphase beginnen.

Sie treten auf, wenn die Tiere in ihrer Anpassungsfähigkeit an Fütterung, Haltung und Management überfordert sind. Hat sich dieses Fehlverhalten einmal in einer Herde etabliert, ist dies nur schwer zu korrigieren. Um Verluste zu vermeiden, sollte daher bei frühen Anzeichen sofort gehandelt werden.

 

Das Huhn pickt natürlicherweise rund 5000 Mal pro Tag. Auf der Suche nach Futter wird alles angepickt, um auszuprobieren, was gefressen werden kann. Sind die Tiere gestresst, gelangweilt oder haben ein Nährstoffdefizit aufgrund einer mangelhaften Fütterung oder fehlenden Gesundheit (Infektionen oder Parasiten), ist es daher naheliegend, dass sie beginnen ihre Artgenossen zu picken. Durch die gegenseitige Nachahmung lernen die Tiere sehr schnell, Federn als Ersatz für Raufutter und Würmer zu fressen. Dabei werden Tiere mit blutigen Verletzungen für die anderen besonders interessant. Finden diese Tiere keinen Rückzugsort, werden sie solange gepickt bis sie verenden.

 

Während der Aufzucht- und Legeperiode gibt es einige Zeiten, in denen ein besonders hohes Risiko besteht, dass Federpicken und Kannibalismus auftreten:

  • 2. bis 4. Lebenswoche: Die Federn werden stark geschoben und glänzende Federhülsen sind sichtbar.
  • 8. bis 12. Lebenswoche: Durch die Jugendmauser liegen viele Federn auf dem Boden und viele Federfollikel werden neu geschoben.
  • 16. Lebenswoche bis zur Umstallung: Die Besatzdichte in der Aufzucht ist sehr hoch.
  • Umstallung: Gefahr von Nährstoffdefiziten und Stress
  • Legebeginn bis nach Legespitze: Gefahr von Nährstoffdefiziten durch Wachstum mit gleichzeitiger Höchstleistung und Stress
  • Letztes Drittel der Legeperiode: Gefahr von Nährstoffdefiziten, wenn die Tiere ihr Körpergewicht nicht halten können und von ihrer Körpersubstanz leben

 

Diese Phasen sind für die Tiere besonders stressig. Das führt zu einer stressbedingten Erhöhung von Corticosteroiden (Stresshormone) im Tier. Mit der Zugabe einer Kräutermischung wird der Corticosteroiden-Spiegel im Tier gesenkt und die Ausschüttung des Glückhormons Serotonin gefördert. Diese beiden Effekte auf den Hormonspiegel ziehen weitere Effekte nach sich. Das Immunsystem wir durch den tieferen Stresspegel entlastet und die Tiere werden ruhiger. Dies führt zu einer tieferen Ausfallrate bei Jungtieren und weniger aggressiven Tieren. Wird die Kräutermischung bereits einige Zeit vor dem Transport oder vor dem Umtrieb verabreicht, kann die ganze Wirkung der Kräuter ausgeschöpft werden. Zusammengefasst kann man sagen, die Tiere sind ruhiger, einfacher im Umtrieb und haben einen besseren Gesundheitsstatus.

 

Alle Aktiv-Legehennenfutter enthalten standardmässig eine Kräutermischung. Vom Küken- bis und mit Starterfutter ist noch eine zusätzliche Kräutermischung für die Stressbewältigung enthalten. Diese ermöglicht eine stressfreie Aufzucht und einen optimalen Start in die Legephase.

 

Sarah Stübi und Christoph Scheuber