Skip to navigation (Press Enter) Skip to main content (Press Enter)
1/2

Grundsätze für ein erfolgreiches Deckmanagement

Mit jeder Einstallung in den Deckstall startet ein neuer Reproduktionszyklus.

Alles was hier passiert, beeinflusst die Reproduktionsleistung der Schweine. Deswegen hat das Deckmanagement eine zentrale Bedeutung. Es umfasst folgende Punkte: Brunstkontrolle, Einsatz des Suchebers, Besamungszeitpunkt, Arbeitsablauf und Hygiene, Spermalagerung, Dokumentation und Überprüfung. Wenn man zu jedem Punkt einige Grundregeln beachtet, ist der Grundstein für einen erfolgreichen Betrieb gelegt.

 

Die Brunstkontrolle liefert wichtige Informationen über den Zyklusstand des Schweins. Normalerweise kommen die Tiere etwa vier bis sechs Tage nach dem Absetzen in Brunst. Dies schwankt von Tier zu Tier, aber auch von Betrieb zu Betrieb. Unterstützend wirkt Licht (100 Lux in 6-Ebenenmessung). Ein helles Deckzentrum erleichtert aber auch das Arbeiten. Die Beleuchtungsdauer stimmt man unabhängig von der Jahreszeit auf den Tag ab, sodass es die Tiere 12 bis 16 Stunden hell haben – mehr ist hier nicht besser. Die richtige Temperatur liegt zwischen 15 °C und 18 °C, diese hängt aber auch von den örtlichen Gegenheiten ab, z. B. ob der Boden isoliert oder wie gross der Spaltenanteil im Liegebereich ist. Grundsätzlich kann man tiefere Temperaturen durch Futterzulage und Einstreu kompensieren. Die genauen Mengen sind betriebsspezifisch. Die Brunstkontrolle beginnt man einen Tag, bevor die Sauen in der Regel auf dem Betrieb in Rausche kommen. Die Tiere werden morgens und abends gecheckt. Bei grösseren Beobachtungsabständen passiert es sonst, dass Tiere unbemerkt bereits einen Tag rauschen. Fehler in der Brunsterkennung haben den grössten negativen Einfluss auf die Wurfgrösse und die Abferkelrate! Am effektivsten ist es, wenn man bei der Brunstkontrolle den Sucheber vor die Sauen bringt. Der Eber muss auf die Sauen mit Grunzen und Schmatzen reagieren. Ist er passiv oder zeigt nur Interesse an den Futterresten in den Trögen, ist spätestens die Zeit gekommen, ihn zu schlachten. Den Stimulationseffekt des Ebers kann man steigern, indem man ihn nicht dauernd im Deckzentrum stehen lässt. Sollte dies aus räumlichen Gründen nicht möglich sein, kann man den Eber auch eine Stunde vor der Brunstkontrolle oder später dann vor der Besamung in den Auslauf sperren.
 

Richtiger Besamungszeitpunkt

Duldet das Schwein das erste Mal, ergibt sich aus diesem Zeitpunkt und dem Abstand zum Absetzen ein Anhaltspunkt für den richtigen Besamungszeitpunkt. Ein Beispiel: Donnerstagmorgen wird abgesetzt und die Rausche tritt vor Dienstagabend der folgenden Woche bei anwesendem Eber ein, dann kann die erste Besamung (KB) 24 Stunden nach Rauschebeginn stattfinden. Alle Folgebesamungen sollten in einem Abstand von 12 bis maximal 16 Stunden zur vorherigen KB geschehen, damit immer ausreichend befruchtungsfähige Spermien am Ort der Befruchtung (Eileiter) sind. Normalerweise sind zwei Besamungen ausreichend. Steht ein Schwein aber 16 Stunden nach der zweiten KB immer noch so gut wie zuvor, ist eine dritte KB sinnvoll. Ist dies häufiger der Fall, lohnt es sich, das Besamungsmanagement genauer unter die Lupe zu nehmen, um Arbeitszeit und Besamungsdosen einzusparen. Die Besamung wird zügig, aber nicht hektisch und immer bei Anwesenheit des Ebers durchgeführt. Von der Stimulierung der Sau mit dem Eber bis zur Belegung dürfen nicht mehr als 15 Minuten vergehen, sonst erlahmt der Aufsaugreflex der Gebärmutter und das Sperma benötigt mehr als fünf Minuten, um aufgenommen zu werden. Besamungshilfen, wie Bügel oder Wäscheleine, leisten hier gute Dienste, da man nicht warten muss, bis das Sperma aufgenommen wurde.


Die richtigen Utensilien

Damit die Belegung rationell und flüssig abläuft, sind alle notwendigen Utensilien vorab bereitzustellen, und erst dann kommt die Sau mit dem Eber in Kontakt. Zu den notwendigen Gegenständen gehören: Einwegtücher, Katheter, Blister, Besamungshilfen und Viehstift.

Mit den Einwegtüchern reinigt man die äussere Scham der Sau trocken von grobem Schmutz. Anschliessend führt man den Katheter bis zum sicheren Sitz in den Gebärmutterhals ein (bei leichtem Rückziehen ist ein Widerstand spürbar). Mit dem Viehstift wird die Sau als belegt markiert. Wenn man jedem Wochentag eine Farbe zuordnet und jedem Ereignis (Rauschebeginn, Belegung, Rauscheende) ein Zeichen, überblickt man immer, was genau gerade im Deckstall los ist.
 

Die Lagerung

Die Lagerung des Spermas ist sehr wichtig. Es wird immer bei 17 °C +/- 2 °C gelagert. Temperaturen unter 15 °C und stärkere Temperaturschwankungen von mehr als 5 °C sind schädlich. Es ist daher wichtig, dass das gelieferte Sperma zeitnah im Depot abgeholt und im Betrieb bei konstanter Temperatur gelagert wird. Ideal ist eine Klimabox. Sie ist fest auf 17 °C eingestellt und regelt die Temperatur elektronisch. Dennoch sollte zur Kontrolle der Elektronik ein Quecksilberthermometer mit dem Sperma gelagert werden. Zur Besamung wird das Sperma direkt der Box entnommen und eingesetzt (NICHT aufwärmen).
 

Erfassung und Auswertung

Nach jeder Belegung sollte man seine Beobachtungen und Tätigkeiten notieren. Hier bieten verschiedene Schweineplanerprogramme gute Erfassungs- und fast wichtiger gute Auswertungsmöglichkeiten. In regelmässigen Abständen (spätestens alle drei Monate) empfiehlt es sich, die Daten zu überprüfen. Dies führt häufiger zu besseren Fruchtbarkeitsergebnissen als jeder Futterwechsel oder jede Diagnositk. Die ersten Auswertungen kann man zusammen mit einem Fruchtbarkeitsspezialisten erledigen, damit man die richtigen Schlüsse zieht und sich nicht in Details verliert. Wenn man dann einmal etwas Routine bekommen hat, kann man dies auch allein. Man muss es dann nur noch machen.


Autor: Dr. med. vet. FVH Kai Caspari, www.cempe.ch